16.07.2016 - 23.07.2016



Redaktion: Alexander Radej


      • Fehlende Duschen im Flüchtlingsheim
      • Mehr Beerdigungen als Taufen
      • "Theologisch gibt es keine Kirchenaustritte"
      • Woelki äußert sich zur Lage der Türkei


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        Vergangene Woche in den Medien:



        Fehlende Duschen im Flüchtlingsheim

        Flüchtlinge vom Bistum Regensburg enttäuscht


        Flüchtlinge die im Pfarrheim St. Emmerarm untergebracht sind, haben sich aufgrund ihrer schlechten Verpflegung beim Bistum Regensburg beschwert. Zuvor hatten die Flüchtlinge den Dom in Regensburg besetzt und Änderungen ihrer Wohnungssituationen gefordert. Bei der erneuten Beschwerde der Flüchtlinge ging es um die teilweise nicht erfüllten Forderungen des Bistums.

         

        Die Flüchtlinge beschwerten sich, dass es keine Duschmöglichkeiten gegeben hätte. Das Bistum hätte daraufhin zwei Duschen installiert. Mehr wäre aufgrund des Platzmangels nicht möglich gewesen, so das Bistum.


        Dazu:

        Flüchtlinge sind von Bistum enttäuscht (Mittelbayrische, 18.07.2016)

        Flüchtlinge in Regensburg drohen mit Hungerstreik (Welt, 20.07.2016)

         


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        Mehr Beerdigungen als Taufen

        Neue Kirchenstatistik veröffentlicht

        Die neue Kirchenstatistik hat rückläufige Zahlen bei Kirchenbesuchern offenbart. Dabei seien mehr Austritte und ein Priestermangel festzustellen. Ebenso seien Beerdigung als letztes Ritual gewünscht, die Anzahl an Taufen sei dagegen gesunken. Ägidius Engel vom Bistum Paderborn sieht darin die Auswirkungen des demographischen Wandels.

         

        Ein weiteres Phänomen zeigt sich in Westfalen und Essen. In Westfalen sei die Anzahl an Gläubigen gleich geblieben, in Essen hingegen sei die Anzahl der Pfarreien von 327 auf 42 gesunken.

        Dazu:

        Anzahl der Kirchenaustritte gesunken (domradio, 15.07.2016)

        Die neue Kirchenstatistik: Mehr Beerdigungen als Taufen (WAZ, 19.07.2016)


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        "Theologisch gibt es keine Kirchenaustritte"

        Kurienerzbischof zum Kirchenaustritt

        Kurienerzbischof Georg Gänswein hat sich zu den Kirchenaustritten in Deutschland geäußert. Für ihn sei der Austritt aus der katholischen Kirche nicht möglich, da die Taufe ein ewiges Prägemal darstelle. Das Problem ist laut Gänswein, dass durch die Religionsfreiheit auch der Austritt aus der Katholischen Kirche möglich ist. Theologisch gesehen ist dies für den Kurienerzbischof nicht möglich.

         

        Der Austritt aus der Katholischen Kirche sei als eine "Exkommunikation light" anzusehen. Diese soll, wie auch die normale Exkommunikation, als eine Maßnahme zur Einsicht der exkommunizierten Person benutzt werden.

        Dazu:

        "Keine Exkommunikation bei Kirchenaustritt" (BR24, 17.05.2016)

        "Aus theologischer Sicht gibt es eigentlich keinen Kirchenaustritt" (domradio, 19.07.2016)

         


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        Woelki äußert sich zur Lage der Türkei

        Erdogan darf die Demokratie durch sein Handeln nicht zerstören

        Kardinal Rainer Maria Woelki hat sich zu den Geschehnissen in der Türkei geäußert. Der Kardinal sagte, dass Gewalt keine Lösung sei und dass Erdogan nicht die Demokratie aufgrund seines Handelns zerstören solle.

         

        Durch den gescheiterten Putschversuch in der Türkei greift Erdogan zu massiven Maßnahmen. Soldaten seien inhaftiert, die kurdische Minderheit stärker unterdrückt und Christen in ihrer Religionsausübung beschränkt worden.

        Dazu:

        Was ist nur mit der Türkei geschehen? (Stern, 20.07.2016)

        Demokratie erhalten (domradio, 20.07.2016)


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        Der Kirchenkurs


        Wie entwickelt sich Kirche vor Ort? Auf dem Hintergrund des II. Vatikanischen Konzils wird immer deutlicher, dass diese Frage vor allem auch eine nach dem gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen ist.

        Im Zentrum dieser Entwicklung steht dabei die Entstehung eines Netzwerks kirchlicher Bezeugungsorte, sei es lokal oder von ihrer jeweiligen Sendung her begründet. Die Entstehung von „Kleinen Christlichen Gemeinschaften“ (Asien und Afrika), „kirchlichen Basisgemeinden“ (Lateinamerika) und der „örtlichen Gemeinden“ (Frankreich) weisen auf eine anders ge- lagerte Kultur des Wachstums und des Seins von Kirche hin.

        Wie kommt es zu einer anderen Kultur des Kircheseins? Wie sehen diese Prozesse aus und was können wir aus gemachten Erfahrungen lernen? Welches sind die Merkmale einer Kultur, die sich aus den Erkenntnissen des II. Vatikanums speist? Diese Leitfragen sind Thema des vorliegenden Bandes.

        Autoren:
        Christian Hennecke ist Priester im Bistum Hildesheim. Seit 2015 leitet er die Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim.
        Gabriele Viecens, Pädagogin, Referentin im Fachbereich Missionarische Seelsorge im BGV Hildesheim und Diplom-Übersetzerin.


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        Führt Erdogan einen Glaubenskampf?

        Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan tritt mit seiner Partei AKP für die Islamisierung der Türkei ein. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist das Zitat: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Dieses Zitat ist ein Teil eines türkischen Gedichtes, das sich Erdogan 1998 als Oberbürgermeister von Istanbul in einer Rede zu Eigen gemacht hat. Dafür verlor er seinen Posten, kam vier Monate ins Gefängnis und wurde mit lebenslangem Politikverbot belegt. Heute ist Erdogan der mächtigste Politiker der Türkei. Damit stellt sich die Frage: Versteht Erdogan die Demokratie nur als Vehikel für eine islamische Türkei? Und haben Andersdenkende und Andersglaubende noch Platz in ihr?

        Der Umgang mit der eigenen Vergangenheit

        Der türkische Geschichtsunterricht in den Schulen kennt drei große Epochen: Erstens das christliche Byzanz, zweitens das muslimische Osmanische Reich und drittens die laizistisch geprägte moderne Türkei. Seit der Regierungszeit Erdogans ist ein Wandel in der türkischen Selbstwahrnehmung festzustellen. Die byzantinische Vergangenheit sowie die laizistische Prägung der modernen Türkei wird in den Hintergrund gedrängt.

        Um die moderne Türkei mit dem Islam zu identifizieren wird eine große Nähe zum Osmanischen Reich gesucht. In kleinen Details drückt sich dieses neue Bewusstsein aus. So stehen Wachen in osmanischer Uniform vor dem Präsidentenpalast Erdogans oder in den Schulen werden wieder die arabischen Schriftzeichen für das osmanische Türkisch gelehrt. Das osmanische Reich wird glorifiziert. Alle Tendenzen, die das gefährden, werden entschieden zurückgewiesen. So gab es von Seiten Ankaras heftige Beschimpfungen, als der Deutsche Bundestag das Armenien-Massaker als Völkermord bezeichnete. Für dieselbe Formulierung von Papst Franziskus zum 100. Jahrestag des Massakers wurde sogar der türkische Botschafter beim Vatikan für zehn Monate abgezogen.

        Kampf gegen den Laizismus

        Als erstes gilt Erdogans Kampf dem laizistisch eingestellten Militär. Seit dem Staatsgründer der heutigen Türkei Mustafa Kemal Atatürk steht das Militär für eine strikte Trennung zwischen Staat und Religion. Als Oberbürgermeister von Istanbul benannte Erdogan die Fronten klar: „Laizistisch und gleichzeitig ein Moslem zu sein, ist nicht möglich.“ Sich selbst bezeichnet er als Anhänger der Scharia.

        Um den Laizismus religiös zu unterwandern, hat sich Erdogan in den Jahren 1999 bis 2010 mit der Gülen-Bewegung zusammengetan, die ebenfalls für eine Islamisierung eintritt. Der neuen Regierung steht Erdogan als Ministerpräsident vor. In der ersten Legislaturperiode geht Erdogan viele Reformen zur Demokratisierung an, die ihm Popularität brachten und zugleich seinen Einfluss ausbauen. Die Todesstrafe wird abgeschafft, die Folter eingeschränkt. Ebenso wird die Meinungsfreiheit gestärkt, ein Dialog mit den Kurden und den Armeniern begonnen. Auch die Beziehungen zur EU mit dem Beginn von Beitrittsverhandlungen wurde gestartet und der Kontakt zu Syrien intensiviert.

        Seine Politik der Öffnung brachte der AKP bei der Wahl 2007 beachtliche 47 Prozent und 2011 sogar fast 50 Prozent der Stimmen ein. Dabei verhalf Erdogan nach seiner Wahl vielen Gülen-Anhängern in einflussreiche Positionen in Militär, Polizei und Justiz. Nach dem gescheiterten Putschversuch des Militärs vor einer Woche hat Erdogan begonnen, das Militär von den letzten laizistischen Resten zu „säubern“. Hierfür diente der Putsch als legitimer Anlass, den Erdogan ganz unverhohlen als ein Geschenk Gottes bezeichnet.

        Umgang mit Kritikern

        Nach dem Bruch mit dem zu mächtig gewordenen Gülen und seiner Bewegung, kam es 2013 zum offenen Konflikt. Erdogan und seine Regierung sind in einem Korruptionsskandal verwickelt. Vier Minister müssen gehen.

        Da einige der Ermittler der Gülen-Bewegung nahestehen, bezeichnet Erdogan die Ermittlungen als Komplott aus dem Ausland. Als Reaktion entlässt er zahlreiche mit dem Fall betraute Polizisten. Zudem muss für zukünftige Ermittlungen und Festnahmen eine Genehmigung bei der Polizeiführung und der Staatsanwaltschaft eingeholt werden. Damit hat Erdogan die Kontrolle über die Polizei sichergestellt. Dies sind die ersten Schritte, mit denen die demokratische Gewaltenteilung aufgehoben wird.

        Auch für den Militärputsch in der letzten Woche macht Erdogan die Gülen-Bewegung verantwortlich. So wurden innerhalb von 12 Stunden fast 3.000 Richter entlassen – darunter auch Richter des Verfassungsgerichts.

        Beschneidung der Presse

        Wie sich bereits im Umgang mit der Gülen-Bewegung angedeutet hat, geht Erdogan nun auch immer stärker gegen Andersdenkende vor.

        Zu nennen sind 2013 die Proteste im Gezi-Park oder 2015 die mehrfache Sperrung von sozialen Netzwerken. Auch gab es zahlreiche Prozesse gegen Journalisten, sowie die polizeiliche Stürmung und staatlichen Übernahme der regierungskritischen Zeitung „Zaman“.

        Nach dem gescheiterten Militärputsch wurden dem Europäischen Journalistenverband zufolge jetzt auch 20 unabhängige Nachrichtenportale gesperrt. Zudem wurden 24 Radio- und Fernseh-Sendern die Sende-Lizenz entzogen.

        Als eine der letzten unabhängigen gesellschaftlichen Institutionen galten die Universitäten. Doch auch hier mussten 1.600 Dekane und die Rektoren aller Hochschulen zurücktreten. Ebenso sind die Mitarbeiter aller Universitäten mit einem Ausreiseverbot belegt.

        Grundrechte

        Die Errungenschaften der ersten Legislaturperiode Erdogans drohen bald rückgängig gemacht zu werden. Der Kontakt zur EU und zu Syrien ist dem Zerreißen nahe, der Wille zu Gesprächen mit den Kurden und Armeniern geschwunden. Nun wird sogar über die Wiedereinführung der Todesstrafe diskutiert. Der türkische Botschafter beim Vatikan Pacaci gab auf Anfragen des Vatikans zu verstehen, dass die Menschenrechte nicht in Gefahr seien. Der stellvertretende Pro Asyl-Geschäftsführer Bernd Mesovic hält aber dagegen, dass die Türkei schon jetzt die Menschenrechte missachte.

        Bei den bestehenden Einschränkungen stellt sich bereits die Frage, inwieweit die türkische Regierung bei solchen massiven Repressalien gegen die Bevölkerung noch demokratisch Legitimiert ist. Martin Lessenthin, Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte fürchtet, „dass es zu einem noch größeren Abbau der demokratischen Rechte kommt und Erdogan ganz bewusst diesen Weg fortsetzt.“

        Religionsfreiheit

        Die Stimmung der Angst macht sich auch zunehmend unter den Religionsgemeinschaften breit. So erlebt Ismail Kaplan, Vertreter der alevitischen Gemeinden in Hamburg, dass die Aleviten in der Türkei mit den Putschisten gleich gesetzt werden. Sie haben Angst vor einer „neue Dimension der Machtübernahme von Präsident Erdogan“. Sie seien Erdogan und seinen Anhängern ein Dorn im Auge, weil sie ein anderes Islamverständnis hätten.

        Das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., hat kurz vor dem Putschversuch das Land aufgrund einer Wallfahrt in Richtung Slowenien verlassen. Beobachter erwarten neue Repressalien. Bereits in den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Spannungen gekommen. So 2015 als die Hagia Sophia im Beisein von Regierungsmitgliedern zum Suren-Gebet genutzt wurde. Zuletzt wurde vor drei Monaten das „Verklärung-Christi Kloster“ auf der Insel Chalki enteignet, wo schon das Priesterseminar von Chalki seit Jahrzehnten geschlossen ist.

        Ein Glaubenskampf

        Der Umgang Erdogans mit dem Laizismus in der Türkei kann auf jeden Fall als Kampf bezeichnet werden. Nach dem rasanten Vorgehen gegen Teile in Militär, Justiz, Polizei und Bildungswesen, kann davon ausgegangen werden, dass Erdogan bereits Listen seiner Gegner angefertigt hatte. Der Putsch bot ihm die passende Gelegenheit. Was zuvor nur latent möglich war, kann er nun offensiv umsetzen.

        Auch die Ankündigung, dass es Erdogan mit der Demokratie nicht so genau nimmt bewahrheitet sich zunehmend. Bisher hat Erdogan nur am Rande die Demokratie für seine Zwecke ausgehebelt. Nun droht er sie komplett zu unterlaufen, durch die Massenentlassung von Richtern, Polizisten und Universitätsangestellten sowie durch den massiven Eingriff in die Medien.

        Damit stellt sich die Frage, ob Erdogan nun auch massiver gegen andersgläubige vorgeht. Bisher hat es latente Angriffe auf die Religionsfreiheit gegeben, in Form von Enteignung oder Umnutzung. Die Angst bei den verschiedenen Glaubensgruppen vor Übergriffen ist da.

        Die Regierungen Europas sollten die Möglichkeit dieser Gefahr ernst nehmen. Sowohl die Katholische Kirche als auch Deutschland sind gut beraten ihren Einfluss geltend zu machen, bevor der Konflikt auch zu einem Glaubenskampf zwischen den Religionen wird. Hat Erdogan erstmal die anderen Religionen als unerwünscht erklärt, ist ein Richtungswechsel nicht mehr schnell zu erwarten.

        Dominique Humm


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