18.06.2016 - 24.06.2016



Redaktion: Dominique Humm


      • Armenien-Reise des Papstes
      • Franziskus bekennt Glaubenszweifel
      • Papst mahnt zur Flüchtlingshilfe
      • Orthodoxes Konzil auf dem Scheideweg


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        Vergangene Woche in den Medien:



        An diesem Freitag hat Papst Franziskus seine dreitägige Armenien-Reise begonnen. Neben Ökumene ist der Armenien-Völkermord dabei Thema.

         

        Am Samstag wird Franziskus den Gendenkort Zizernakaberd besuchen, der dem Völkermord an den Armeniern vor 100 Jahren durch das Osmanische Reich gewidmet ist. Bereits in der Vergangenheit hat Papst Franziskus den Völkermord als ersten Genozid des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

         

        Ein Besuch des Arche Noah Bergs, der auf türkischem Staatsgebiet liegt, wird nur aus der Ferne möglich sein. Die Türkei hält die Grenze auch für den Papst geschlossen. Der Einsatz des Pontifex seit 2014 für eine Öffnung der Grenze, ist bisher ergebnislos geblieben.

         

        Dazu:

        Papst-Reise nach Armenien (Stuttgarter-Zeitung, 22.06.2016)

        Papst Franziskus reist nach Armenien – auch wegen Berg-Karabach (dtj, 22.06.2016)

        "Ich bin Vater aller Christen"(Die Tagespost, 20.06.2016)


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        Papst Franziskus hat immer wieder Glaubenszweifel. Beim Besuch eines römischen Studienkollegs sprach Franziskus von Glaubenskrisen sowohl als Jugendlicher und Seminarist, wie auch als Priester, Ordensmann, Bischof und Papst.

         

        Bei den Krisen habe der Papst Jesus „getadelt“ und den Glauben als Illusion oder Alibi empfunden. Doch habe er gelernt, dass Krisen neben Gefahr auch Chance seien. Sie seien ein Zeichen vorwärts zu kommen und nicht still zu stehen.

         

        Die Glaubenszweifel des Papstes sieht der Kölner Weihbischof Schwaderlapp nicht als ein Infragestellen des Glaubens als Ganzes. Sie seien Ausdruck einer lebendigen Freundschaftsbeziehung. Wenn Dinge unverständlich seien und man zornig werde, sei es wichtig an der Freundschaft festzuhalten und nicht auf Distanz zu gehen. So klammere sich auch der Papst immer wieder an Gott.

         

        Dazu:

        "Habe Jesus getadelt" (domradio.de, 20.06.2016)

        "Er lässt uns nicht hängen" (domradio.de, 21.06.2016)


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        Papst Franziskus hat erneut dazu aufgerufen Flüchtlingen beizustehen. "Sie sind unsere Brüder. Ein Christ schließt niemanden aus"

         

        Flüchtlinge seien Menschen wie wir alle. Ihnen habe der Krieg Haus, Arbeit, Verwandte und Freunde genommen. Christen sollten Arme und Kranke berühren, dies würde helfen vor Scheinheiligkeit zu befreien.

         

        Als Zeichen holte Papst Franziskus bei seiner Mittwochsaudienz eine Gruppe von Flüchtlingen zu sich unter den Baldachin. Bereits im April hatte er ein starkes Zeichen gesetzt und überraschend zwölf muslimische Flüchtlinge von der Insel Lesbos mit nach Rom genommen.

         

        Dazu:

        Papst: Flüchtlingen in Not beistehen und helfen (Thüringer Allgemeine, 20.06.2016)

        "Ein Christ schließt niemanden aus" (domradio.de, 22.06.2016)


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        Am vergangenen Sonntag haben die Orthodoxen Kirchen auf Kreta ein Konzil eröffnet. Russland und drei andere orthodoxe Kirchen haben kurzfristig abgesagt, nach über 40 Jahren gemeinsamer Vorbereitung.

         

        Grund des Fernbleibens der Kirchen dürfte der Führungskampf zwischen dem mächtigen Moskauer Patriarchen und dem Patriarchen von Konstantinopel sein, dem traditionell eine Vorrangstellung zukommt. Weitere Streitpunkte sind theologische Differenzen und der Kampf um die Zuständigkeit verschiedener Landesteile.

         

        Geplant war eine gemeinsame orthodoxe Position zu der Zusammenarbeit mit anderen Kirchen, Eheregeln und dem Verhältnis zur Moderne. Durch das Fernbleiben der vier Kirchen wird nun die Rezeption des Konzils über seine Bedeutung entscheiden.

         

        Dazu:

        Mehr als 170 Bischöfe (domradio.de, 18.07.2016)

        Konzil: Tiefer Riss in der Orthodoxie (die presse, 20.06.2016)

        Orthodoxes Konzil: "Bedeutung wird erst nachher sichtbar" (Kathpress, 23.06.2016)


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        Der Kirchenkurs


        Wie entwickelt sich Kirche vor Ort? Auf dem Hintergrund des II. Vatikanischen Konzils wird immer deutlicher, dass diese Frage vor allem auch eine nach dem gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen ist.

        Im Zentrum dieser Entwicklung steht dabei die Entstehung eines Netzwerks kirchlicher Bezeugungsorte, sei es lokal oder von ihrer jeweiligen Sendung her begründet. Die Entstehung von „Kleinen Christlichen Gemeinschaften“ (Asien und Afrika), „kirchlichen Basisgemeinden“ (Lateinamerika) und der „örtlichen Gemeinden“ (Frankreich) weisen auf eine anders ge- lagerte Kultur des Wachstums und des Seins von Kirche hin.

        Wie kommt es zu einer anderen Kultur des Kircheseins? Wie sehen diese Prozesse aus und was können wir aus gemachten Erfahrungen lernen? Welches sind die Merkmale einer Kultur, die sich aus den Erkenntnissen des II. Vatikanums speist? Diese Leitfragen sind Thema des vorliegenden Bandes.

        Autoren:
        Christian Hennecke ist Priester im Bistum Hildesheim. Seit 2015 leitet er die Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim.
        Gabriele Viecens, Pädagogin, Referentin im Fachbereich Missionarische Seelsorge im BGV Hildesheim und Diplom-Übersetzerin.


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        Der Kampf der Nationalkirchen?

         

        Das Panorthodoxe Konzil hat am 19.06. begonnen und soll bis zum 24.06. tagen. Vor dem Beginn sagten 4 Nationalkirchen ab, unter anderem die Russisch-Orthodoxe Kirche. Der Antiochenische Patriarch ist, aufgrund eines Streites mit dem Patriarchat von Jerusalem und den unzureichend besprochenen Konzilsdekreten, beim Konzil nicht anwesend. Die Patriarchate von Georgien und Bulgarien, sagten ebenso wegen den unzureichend geklärten Konzilsdekreten ab. Aufgrund der drei Absagen, entschied das Patriarchat von Russland dem Konzil ebenso fern zu bleiben. Auch wenn der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. das Konzil weiterführen will, stellt sich die Frage, ob die Streitigkeiten das Konzil beeinflussen könnten.

         

        Zwischen den Patriarchaten von Antiochia und Jerusalem herrscht eine Eiszeit. Das Problem ist eine territoriale Frage. Der Streitpunkt handelt um das Land Katar, denn das Jerusalemer Patriarchat versucht Einfluss auf Katar zu gewinnen, aber Katar untersteht dem Patriarchat von Antiochia, was in der Abschlusserklärung der Heiligen Synod im Jahre 2013 festgelegt wurde. Somit kam es zum Streit zwischen beiden Kirchen, kurz nach der Unterzeichnung dieser Abschlusserklärung.
        Beide Patriarchate gehören zu den ersten 5 Patriarchaten des Christentums, die neben Rom, Konstantinopel und Alexandria eine lange Tradition besitzen. Auch wenn zu beiden Patriarchaten nur wenige Gläubige gehören, ist die Absage des Patriarchates von Antiochia ein großer Verlust und lässt die Authentizität des Panorthodoxen Konzils schmälern.

         

        Ein weiterer Streitpunkt sind die Patriarchate von Georgien und Bulgarien. Die Bulgarische Kirche, hatte schon Stellung zu den vorab diskutierten Dekreten genommen. Besonders das Dekret zur „Ehe und Familie“ soll dem bulgarischen Patriarchat missfallen. Mit dieser Argumentation baten die beiden Patriarchate um eine Verschiebung des Konzils, ebenso das russische, sowie Antiochenische Kirche.

         

        Die Serbische Kirche hatte vorerst dem Konzil abgesagt. Am 16.06 jedoch, kurz vor Beginn des Panorthodoxen Konzils, sagte das serbische Patriarchat doch zu. Sollte das Konzil die wichtigen Streitfragen ausklammert, will die serbische Delegation ohne zu zögern das Konzil verlassen.

         

        Das Spiel hinter den Kulissen

         

        Die Anschuldigungen seitens der Konzilsteilnehmer richten sich auf das polarisierende Russische Patriarchat. Es ist ganz besonders von einer „Überredung anderes Patriarchate, dem Konzil fernzubleiben“ die Rede. Denn die russische Kirche will ihre Position indirekt im Konzil stärken oder mehr noch, ihre Ideen durchsetzen, da durch ihr fernbleiben die Gültigkeit der Dekrete geschmälert wird. Das ist der Tonus außerhalb des russischen Patriarchates. Gründe dafür nennt die russische Kirche in der Anzahl ihrer Gläubigen, knapp 150 Million Orthodoxe Gläubige hat die russische Kirche, das sind ca. 50 Prozent aller Orthodoxen Gläubigen.

         

        Doch es geht nicht nur um Zahlen. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel hat immer mehr unter den Repressalien seitens der türkischen Regierung zu leiden. Dadurch schwindet die Anzahl seiner Gläubigen. Ebenso muss der Ökumenische Patriarch einen türkischen Pass, laut der türkischen Staatsordnung, besitzen. Es wird vermutet, dass der Stuhl des Hl. Andreas, nach dem amtierenden Patriarchen Bartholomaios I. vakant bleiben könnte, da die Forderungen der türkischen Regierung zu umfangreich sind.

         

        Und genau da bringt sich die russische Kirche ins Spiel. Sie könne aufgrund ihrer guten Beziehung zur russischen Politik ein Nachfolger für das ökumenische Patriarchat sein. Damit würde die Russische Kirche die Reihenfolge, in welcher Russland als 6. Patriarchat aufgezählt ist, außer Kraft setzen. Denn Rom ist das erste in der Folge der Patriarchate, welches den Ehrenvorsitz hat. Nach dem Schisma 1054 ist Rom als Patriarchat weggefallen und Konstantinopel, als Sitz des römisch-byzantinischen Kaisers, folgte. Der Sitz in Rom ist für die Orthodoxen unbesetzt. Es blieben zudem die Patriarchate Jerusalem, Antiochia und Alexandria als weitere Nachfolger. Das Problem dabei ist, dass nur Jerusalem Konstantinopel auf den ersten Rang nachfolgen könnte, möglich wäre, da die politische Situation in Antiochia und Alexandria nicht besser als in Konstantinopel ist und die Lage in Jerusalem relativ ruhig zu sein scheint.

         

        Der Vorteil für den Ökumenischen Patriarchen ist, dass einige Kirchen der slawischen Orthodoxie dem Konzil zugesagt haben. Neben dem Serbischen Patriarchat, hat auch die Polnische Autokephale Kirche dem Konzil zugesagt. Auch das Finnländische Patriarchat, welches enge Kontakte zur russischen Kirche pflegt, ist dem Aufruf des Konzils nachgekommen. Das lässt das panorthodoxe Konzil nicht zu einem reinen Diaspora-Gesprächstreffen verkommen, sondern lässt das Konzil panorthodox wirken.

         

        Einheit wahren – aber nicht mit anderen christlichen Gemeinschaften

         

        Die Patriarchen und Bischöfe, welche sich dem Panorthodoxen Konzil angeschlossen haben, bemühen sich um eine Wahrung der Einheit. Es hallen die Rufe der Patriarchen, welche sich nach einer Lösung für etwaige Gesprächsthemen bemühen und rufen nach denen, die dem Konzil ferngeblieben sind. Bisher hat sich keiner der Abwesenden darum bemüht diesem Ruf zu folgen, nicht einmal, diesem Ruf zu antworten. Somit verschwindet allmählich die Vorstellung von einer gemeinsamen Orthodoxie und der Patriarch Bartholomaios I. sagte bereits, dass keiner der Teilkirchen alleine eine Überlebenschance hätte. Dabei gibt es viele innerkirchliche Differenzen, wie zum Beispiel der unterschiedliche Kalender zwischen der Griechischen und der Russischen Kirche. Diese Diskussion wurde, auf die nächste Zusammenkunft der orthodoxen Bischöfe verschoben, da die Russische Kirche, während der Zeit der Sowjetunion nicht die Möglichkeit hatte bei einer Synode über den Kalender mitzubestimmen.

         

        Das Gespräch das am meisten Gesprächsstoff bietet, ist die Anerkennung anderer Christlicher Gemeinschaften als Kirche, allem voran die Diskussion um die Stellung der Katholischen Kirche. Seit dem zweiten Vatikanum ist klar, dass die Orthodoxe Kirche von der Rom als Kirche angesehen wird. Die Orthodoxe Kirche steht somit in ihrem ersten Panorthodoxen Konzil vor der Herausforderung, die Stellung der Katholischen Kirche zu diskutieren.

         

        Die Orthodoxie sieht die Katholische Kirche als Sekte und somit nicht als Kirche an. Auch wenn die Exkommunikation während des zweiten Vatikanums aufgehoben wurde, bestehen große Diskrepanzen. Neben dem Primat des Papstes und der Stellung der Bistümer und Diözesen, sowie der Katholischen Ostkirche, bestehen auch dogmatische Unterschiede, wie die Unbefleckte Empfängnis. Das Alles sehen die Orthodoxen Christen als Hindernis für die Einheit. So jedenfalls das mehrheitliche Stimmungsbild.

         

        Einige Patriarchate und Autokephale Kirchen betrachteten die Ökumenedekrete mit Skepsis und reagierten ablehnend. Was in den Dekreten stand, ist nicht im Wortlaut bekannt. Trotz alledem, halten viele Orthodoxen Bischöfe die Vereinigung zwischen West- und Ostkirche für unmöglich und somit könnten Teilzugeständnisse in diesen Dokumenten vorhanden sein. Jedenfalls wird dieses Thema eines der heißesten Debatten sein, welches das Panorthodoxe Konzil erleben wird.

         

        Die letzte Hürde

         

        Die letzte und schwierigste Hürde wird das Abschluss des Konzils sein. Denn vier Patriarchate fehlen und somit steht die Frage im Raum, ob dieses Konzil auch wirklich als panorthodox gelten darf. Die Russische Kirche spricht jedenfalls von einem „Vorkonziliaren Zusammentreffen“ und einer „Räubersynode“. Damit stellt die russische Kirche klar, dass für sie diese Beschlüsse nicht zutreffen werden. Andere Patriarchate haben sich bisher nicht zu der Gültigkeit des Konzils geäußert. Ebenso wird der Ökumenische Patriarch beschuldigt, ein neues „Papsttum“ zu errichten, da dieser sein Interesse vor den der anderen Patriarchate durchsetzen will.

         

        Offen steht außerdem, ob die Russische Kirche sich nicht erbarmen und doch am Konzil nachträglich erscheinen wird. Klar ist, die ersten Sitzungsperioden sind abgeschlossen und einige Dokumente wurden bereits festgelegt. Somit hat die Russische Kirche kaum Diskussionsmöglichkeiten, es sei denn, die abgeschlossenen Dokumente werden noch einmal zur Diskussion geöffnet.

         

        Damit ist ebenso unklar, wie lange das Konzil wirklich dauern wird. Die Beratungszeit beträgt eine Woche und wenn, wie von der Serbischen und Bulgarischen Kirche angemerkt, soviel Diskussionsbedarf herrscht, könnte das Konzil verlängert oder eine zweite Tagungsperiode eingeführt werden. Und wenn zusätzlich noch einer der vier fehlenden Patriarchate später erscheint, sind erst recht weitere Diskussionen von Nöten. Es bleibt spannend wie sich das Konzil entwickeln und wie es am Ende rezipiert wird. Es bleibt die Hoffnung, dass das Konzil nicht, wie unzählige Konzilien nach 1054, als Räubersynode enden wird.

         

        Alexander Radej


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