14.05.2016 - 20.05.2016



Redaktion: Kerstin Barton


    • Ein Bischof geht
    • Katholikentag im Zeichen der Ökumene
    • Eingeschränkte Religionsfreiheit
    • Kirche unterstützt Moscheebau


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    Vergangene Woche in den Medien:



    Ein Bischof geht

     

    Am Pfingstmontag feierte Karl Kardinal Lehmann nicht nur seinen 80. Geburtstag, sondern auch seine Verabschiedung in den Ruhestand. Nach 33 Jahren im Bischofsamt beendete er nun seinen Dienst in Mainz aus Altersgründen.

     

    Mit ihm zusammen feierten Tausende den Festgottestdienst, der nicht nur live im Fernsehen, sondern auch auf einer Großleinwand vor dem Mainzer Dom übertragen wurde.

     

    Prominente wie Trainer Jürgen Klopp und Kanzlerin Merkel gratulierten und dankten Lehmann per Videobotschaft. Auch die geladenen Gäste beim anschließenden Festakt, dankten dem "wunderbaren Bischof" für seine gelebte Nächstenliebe. Von dieser sprach Lehmann auch in seiner Predigt, als er den Mitfeiernden die Worte mitgab: "Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.

     

    Dazu:

    Kardinal Lehmann verabschiedet sich als Mainzer Bischof (RP online, 16.05.2016)

     


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    Katholikentag im Zeichen der Ökumene

     

    Der Katholikentag, der in der kommenden Woche in Leipzig zum 100. mal begangen wird, wird in diesem Jahr auch viele "Nicht-Katholiken" anlocken. Auch bei der Organisation und den Veranstaltungen werden viele Protestanten involviert sein. Themen wie konfessionsübergreifende Familien werden auf dem Katholikentag angesprochen werden, zu dem auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland eingeladen ist. Gerade in einer statt wie Leipzig, in der eine bedeutende Mehrheit weder katholisch noch evangelisch ist, sei es wichtig, über Konfessionsunterschiede hinwegzusehen und gemeinsam als Kirche aufzutreten.

     

     

    Dazu:

    Katholisch, lutherisch, Leipzsch (Der Sonntag, 17.05.2016)


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    Eingeschränkte Religionsfreiheit

     

    Papst Franziskus hat sich strikt gegen ein Kopftuchverbot ausgesprochen. Musliminnen müsse es frei stehen, ihre religiöse Überzeugung durch das Tragen eines Kopftuches zu zeigen. Anlass zu dieser Aussage war ein Interview mit einer französischen Tageszeitung. In Frankreich ist das Tragen religiöser Symbole im öffentlichen Dienst verboten. Franziskus kritiserte diese übertriebene Trennung von Kirche und Staat, da er Gläubige in ihrer Religionsfreiheit einschränke.

     

     

     

    Dazu: 

    Papst Franziskus ist gegen Kopftuchverbot für Musliminnen (WAZ, 17.05.2016)


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    Kirche unterstützt Moscheebau

     

    Die katholische und evangelische Kirche in Thüringen begrüßen die Pläne zum Bau einer Moschee in Erfurt. Die AfD - Fraktion im Thüringer Landtag will den Bau durch einen Bürgerentscheid verhindern und rief in der vergangenen Woche zu Demonstrationen auf.

    Von Seiten der Kirche wird es gut geheißen, dass die "religiöse Praxis aus dem Verborgenen in Kellern oder Hinterhöfen in einem öffentlichen Raum stattfindet". Zudem haben Religionsgemeinschaften das Recht, ihre Religion frei auszuüben. Dazu gehöre auch der Bau einer Moschee.


    Dazu:
    Kirchen befürworten Moscheebau in Erfurt (RP online, 19.05.2016)


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    Die Kirche brennt – wir brauchen Feuerlöscher, keine neuen Fenster

    Was werden nicht alles für Rezepte genannt, um gegen die Kirchenaustrittswellen und leeren Gottesdienste vorzugehen. Mitunter klingt es so, als müsse man nur die Kirche renovieren, um das Problem zu lösen. Das jedoch scheint den Ernst der Lage zu verkennen. Die Krise ist viel zu groß, um durch dekorative Ausbesserungen gelöst werden zu können, die Kirche brennt und wir brauchen Feuerlöscher.

    Die Krise ist eher eine Katastrophe

    In den letzten Jahrzehnten wurde viel schöngeredet, doch es hilft alles nichts: Seit Jahrzehnten gibt es einen Abwärtstrend, und zwar ausschließlich einen Abwärtstrend, in allen Kategorien. Die absoluten Zahlen der Kirchenmitglieder gehen zurück, die Gottesdienstbesucher nehmen ab, die Zahl der Menschen, die sich als Christen bezeichnen und für die der Glauben im biblischen Sinne lebenswichtig ist sinken. Nach der Firmung hat die Kirche die Jugendlichen meist ganz verloren und sie sieht sie, vielleicht Jahre später erst bei der Hochzeit wieder. Die Lage ist dramatisch, man kann auch sagen katastrophal. Es scheint immer weniger möglich, Menschen von Christus zu überzeugen. Glaube ist peinlich und lächerlich geworden. Selbst in der Kirche trifft man nicht selten auf Scham, wenn es um Glaube und Kirche geht. Die gesellschaftlichen Vorbilder scheinen längst außerhalb zu sein und ein Bekenntnis zum Atheismus macht beliebter als das Bekenntnis „Katholik“ zu sein. Freude, Spaß und Lifestyle jedenfalls werden nicht mit Kirche verbunden. „Wir machen hier Sterbebegleitung“ sagte mir mal ein Pfarrer, als es um die Zukunft der Gemeinden, ob fusioniert oder nicht, ging. – Hier gipfelten Jahrzehnte von Pastoralerfahrung in der traurigen Erkenntnis: Es geht letztlich nur darum, den Untergang möglichst menschlich zu verwalten. An eine Umkehr wird nicht mehr geglaubt

    Das Schwinden des Glaubens hat eine lange Tradition

    In der Geschichte der Kirche und des Christentums ist es nie perfekt gewesen und stets gab es Probleme, Krisen und Auseinandersetzungen. Dass die Kirchlichkeit der 50er Jahre nicht ewig wehren kann, ist selbstverständlich. Was aber neu scheint, ist das Phänomen, dass es diesmal nicht um Fragen der Kirchlichkeit oder Frömmigkeit geht, sondern um den Gottesglauben. Im 18. und mehr noch im 19. Jahrhundert, stößt man auf das Phänomen des bekennenden Atheismus, bei dem es nicht mehr um katholisch oder evangelisch, um Messopfer oder Erinnerungsmahl, sondern um die Leugnung Gottes selbst geht. Eine andere Strömung, die bei Gott nur ein Fragezeichen setzt, der Agnostizismus, das Nichtwissen und Achselzucken zur Frage nach Gott und Glaube, ist dabei heute sehr populär geworden, mitunter bereits eine Mehrheitsposition. Der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère macht in seinem Buch „Reich Gottes“ genau auf den modernen agnostischen Zeitgeist aufmerksam. Glauben kann er nicht mehr, allein schon, um in seinen französischen Intellektuellenkreisen ernst genommen zu werden: „mir wurde klar, dass ich mich dafür schämte“, so seine Bewertung einer Konfrontation über seinen Glauben. Aber auch zum Glaubensinhalt selbst stellten sich für ihn kritische Fragen ein, die keine Lösung fanden. Patrick Blossier zitierend schreibt Carrère: „wie schauerlich wehr uns dies Alles, wie aus dem Grabe uralter Vergangenheit an! Sollte man glauben, dass so Etwas noch geglaubt wird?“ Carrère beantwortet dies für sich selbst so: „Herr, ich gebe dich auf. Gib du mich nicht auf.“ Über sich sagt er, er sei „ein Ungläubiger, ein Agnostiker – nicht mal gläubig genug, um Atheist zu sein.“ Immerhin scheint bei Carrère die Sehnsucht bei gleichzeitiger Unmöglichkeit ihrer Erfüllung noch da zu sein. Ist es nicht genau hier der Ort, wo Kirche ansetzen muss?

    Bevor es um Reformen geht, muss über den Glauben geredet werden

    Was also will man mit neuen Fenstern, wenn die Kirche brennt? Das Beispiel Carrères scheint symptomatisch für abertausende christliche Biographien zu sein. Er hat seine Entscheidung wohl weder von Fusionen, vom Zölibat, der Zulassung zum Kommunionempfang oder Weihedebatten abhängig gemacht, sondern aus der ganz persönlichen Erfahrung mit Gott und Glauben, die bei ihm negativ ausfiel. Und dieser Glaubensverlust ist es, der die Kirche wie ein Brand bedroht. Hier wäre es wichtig, Wege zu finden, wie Menschen im Glauben gefestigt und gestärkt werden können. Es erinnert an die Frage Jesu, die besonders für Europa hochaktuell ist: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?“ (Lk, 18,8). Am Ende zählt, ob der Glaube bewahrt und vermehrt werden kann. Was muss geschehen, damit die Talfahrt nicht immer weitergeht? Sicher scheint, dass Verbands- und Strukturkatholizismen wenig bringen werden, da aus ihnen auch bisher kaum missionarische Impulse hervorgingen. Die Erneuerung wird wohl von kleinen christlichen Gruppen ausgehen, die aus sich heraus missionarisch und ansprechend wirken und so ganz neue Impulse setzen. Die Mitarbeit der Laien für die Glaubensverkündigung ist wichtiger denn je, um in Gesellschaft und Alltag die Rolle des Glaubens aufzuzeigen. Die Worte, die der hl. Franziskus einst empfangen haben soll, scheinen heute akuter denn je: „Geh, Franziskus, und bau meine Kirche wieder auf, die, wie du siehst, in Trümmern liegt.“

    Josef Jung


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